Interview mit Rachel Holenweg/ Michèle Fässler – Dozentinnen für Textiles/ Technisches Gestalten

Anita Steiner (5.Semester)

 

Wie bist du auf diesen Beruf gekommen?

Rachel Holenweg: Auf Wegen und Umwegen.

 

Michèle Fässler: Das Gestalten, Tüfteln, Konstruieren und Experimentieren interessierten mich schon seit meiner Zeit am Gymnasium. Da mir aber auch die Zusammenarbeit mit Menschen wichtig ist - das Diskutieren, Vermitteln und das gemeinsame Entwickeln von Projekten und Werkstücken – wusste ich schon früh, dass ich im Lehrberuf fürs TTG am richtigen Ort bin.

 

Falls du einen anderen Beruf gelernt hast: Was und weshalb bist du nicht auf dem Beruf geblieben? Was hat dich gereizt, diese Stelle hier an der PHSZ anzunehmen?

Rachel Holenweg: Ich habe mehrere andere Berufe. Ich bin gelernte Keramikerin, Kindergärtnerin, Zeichnungs- und Werklehrerin, nun Dozentin und vor allem bin ich Mensch. Das Gestalterische hat mich immer interessiert. Als ich als Kindergärtnerin tätig war, habe ich mir ein Jahr Auszeit genommen, besuchte in Dänemark eine Kunsthochschule und arbeitete bei einer Keramikerin. Danach war ich so beflügelt, dass ich, ohne zu zögern, meine gestalterischen Arbeiten an den Vorkurs der Kunsthochschule Zürich eingereicht und die Aufnahmeprüfung bestanden habe. Unter dem Jahr habe ich meinen Beruf als Kindergärtnerin aufgegeben, um in Zürich zu studieren. Meine berufliche Laufbahn ist geprägt von solchen überraschenden und unerwarteten Wendungen. Das Spannende daran ist, dass ich diese Wendungen nicht unbedingt zielgerichtet angegangen bin. Es gab bei allen Entscheidungen immer einen Moment, bei dem ich intuitiv wusste, wie es nun weiter geht. Es ist als ob man zu seinem eigenen Kern vorstösst.

 

Michèle Fässler: In erster Linie reizte mich die Arbeit mit erwachsenen StudentInnen und die vertiefte Auseinandersetzung mit Fachwissen, Fachkönnen und Fachdidaktik. Ich hatte Lust, mich beruflich weiterzuentwickeln und mehr über Unterrichtsplanung und Unterrichtsmethoden zu forschen.

 

Wie bist du auf die PHSZ gekommen? Haben sie dich sofort genommen?

Rachel Holenweg: Ich habe mich fürdie Stelle an der PHSZ beworben.

 

Michèle Fässler: Ich habe die Stellenausschreibung zugeschickt bekommen und habe mich beworben. Danach musste ich mich vorstellen und eine Probelektion halten.

 

Welche Aufgaben hast du? Wie hoch ist dein Arbeitspensum? Gelingt dir dies gut, nebst der Freizeitgestaltung und Familie?

Rachel Holenweg: Ich unterrichte TGTG/ TGFD für angehende Primarlehrer, Primarlehrerinnen und dieselben Fächer plus TGNP für KU. Mein Arbeitspensum an der PHSZ beträgt etwa 50%. Da ich auch noch an einer Primarschule TTG & BG unterrichte, ist mein Pensum relativ hoch.

Da ich mich in alle Module neu einlesen muss, arbeite ich viel. Momentan kann ich nicht sagen, dass meine Work-Live-Balance im Gleichgewicht ist.

 

Michèle Fässler: In erster Linie bin ich in der Lehre tätig und doziere in drei verschiedenen Seminaren. Weiter bin ich Mentorin im Fachpraktikum. Ich arbeite 40%, während des Semesters nimmt es aber deutlich mehr Zeit in Anspruch. Die restliche Zeit bin ich für meine Familie da.

Zur Zeit geniesse ich das Zwischensemester ;). Ich reflektiere in Ruhe mein erstes Semester an der PHSZ und bereite mich auf das neue Semester vor.

 

Wie gefällt es dir? Findest du es streng oder ist es angemessen?

Rachel Holenweg: Mir gefällt die Zusammenarbeit mit den Studierenden. Durch die handelnde Tätigkeit, öffnen sich neue «Welten», sei es in Diskussionen über eine Problemstellung oder während der Arbeit selbst. Dies ist weder planbar noch voraussehbar. Gerade das fasziniert mich. Es geschieht ein Aufeinandertreffen von Vorstellungen, Gestaltungsmöglichkeiten und Neuentdeckungen. Und plötzlich geht es nicht nur um die Auseinandersetzung mit dem einen Gegenstand, es geht um die Differenzierung der Wahrnehmung, der Ausdrucksfähigkeit und Fremdes wird vertraut.

 

Michèle Fässler: Das erste Semester war sehr intensiv für mich. Viele neue Strukturen und Abläufe und viel neues Wissen, welches ich mir in kurzer Zeit aneignen musste/durfte.

Die Zusammenarbeit mit den Studierenden hat mir grosse Freude bereitet und ich bin begeistert von den Abschlussprojekten.

 

Die letzte Frage und wichtigste: bastelst, nähst, kleisterst du gerne? Was ist deine Lieblingstätigkeit in diesem Bereich vom TTG?

Rachel Holenweg: Ich gestalte gerne. Dabei geht es nicht nur um das Kreieren im Sinne der Kunst oder dem Kunsthandwerk. Es geht auch darum, das Gewohnte zu durchbrechen, neu wahrzunehmen, indem ich zum Beispiel rückwärts zum Bahnhof gehe.

Ich habe zu Hause an meinem Kühlschrank eine Karte hängen. Darauf steht auf Hindi ein Substantiv: «Jugaad» das so viel heisst wie:

«ohne ausreichende Ressourcen oder nur durch Improvisation gelöstes Problem»

Ich wünsche mir etwas von dieser Leichtigkeit.

 

Michèle Fässler: Ich bin sehr vielseitig interessiert und bin sowohl im technischen als auch im bildnerischen Gestalten zu Hause. Persönlich habe ich mich in den letzten Jahren vermehrt in die Bereiche Malerei, Keramik, Holz, Metall und Kinematik vertieft. Zuletzt haben wir im Team eine Weiterbildung im 3D-Druck gemacht – das war auch spannend!

 

Ich möchte mich bei Rachel Holenweg und Michèle Fässler bedanken, dass ihr euch die Zeit genommen habt, um auf die Fragen zu antworten.

Vielen Dank und weiterhin viel Spass beim Werken, Basteln, Nähen etc.