Erfahrungen mit dem amerikanisch-deutschen Schulsystem

von Seraina Betschart (2. Semester)

 

Bevor ich an der PHSZ startete, hatte ich ein Jahr in den USA gelebt und als Au-pair jeden Tag zwei Kinder im Kindergarten- bzw. Vorschulalter am Morgen zur Schule gebracht und am Nachmittag abgeholt.

Dadurch war ich fast jeden Tag in der Schule meiner Host Kids, wodurch ich einen kleinen Einblick in das amerikanische Schulsystem bzw. das Schulsystem der «German International School of New York» erhalten habe. Besonders eindrücklich fand ich die Unterschiede zwischen den öffentlichen und privaten Schulen. Die GiSNY, die Schule meiner Host Kids, ist eine Privatschule, was bedeutet, dass die Eltern jedes Jahr

ca. 20'000 Dollar pro Schulkind berappen müssen. Dafür erhalten die Kinder eine sehr gute, zweisprachige Ausbildung und machen nach zwölf Jahren Schulzeit nicht nur das Highschool Diploma, sondern auch das deutsche Abitur. Die Lehrer sind sehr kompetent. Es gibt ausserdem relativ viele Lehrer auf die Anzahl Schüler. In Kindergarten und Vorschule gibt es sogar zwei Klassenlehrer, wobei eine Lehrerin ausschliesslich Englisch mit den Kindern spricht, die andere nur Deutsch.

Die öffentlichen Schulen werden vom Staat finanziert, wobei die Leistungen an öffentlichen Schulen sehr viel schlechter sind. Eine Public Elementary School (1. bis 4. Schuljahr) zum Beispiel erteilte den Kindern in der Pause immer per Roboterstimme durch den Lautsprecher Anweisungen. Meine Host Kids waren eine Woche in einem Summer Camp einer öffentlichen Schule. Das vierjährige Mädchen hatte häufig Heimweh, was die Leiter mit Cookies bekämpften. Etwas ist jedoch an öffentlichen und privaten Schulen gleich:

Fast alle Kinder werden von den Eltern / der Nanny / dem Au-pair mit dem Auto zur Schule gefahren oder sie gehen mit dem Schulbus. Die Schulbusse fallen jedoch bereits bei ca. 10 Zentimeter Schneefall aus (wie so ziemlich das ganze öffentliche System), wodurch auch die Schulen schliessen. Die Kinder haben deshalb im Winter relativ häufig schneefrei.

Abgesehen von den vielen Ferien und schneefreien Tagen (die für mich mehr Arbeit bedeuteten), gefällt mir die GISNY sehr gut. Es gibt sehr viele Anlässe, von Elternpartys, über Themenwochen und Basteltage bis zu einem alljährlichen Weihnachtsmarkt, Laternenumzug und Picknicks sowie zwei Flohmärkte und einem Kunsthandwerksmarkt. Die Kinder machen sehr viele Exkursionen und haben ab der dritten Klasse jedes Jahr ein Lager (nein, keine Ski- oder Zeltlager, sondern nach Boston, Montreal, Kuba usw., wobei hier natürlich wieder die finanzielle Situation der Eltern eine Rolle spielt). Die relativ kleine Schule hat ausserdem sehr viele Wahlangebote wie Fechten, Schach oder Theater. Ich selber half eine Weile im Swiss Club mit, einem Angebot für die Schweizer Kinder an der Schule. Sehr faszinierend fand ich die vielen verschiedenen Nationalitäten an der Schule. Die meisten Familien waren aus Deutschland oder den USA, wobei es aber auch einige gemischte Familien gab. In der Klasse meines Gastmädchens sprach ein Kind fliessend Englisch, Deutsch, Schwedisch und Spanisch und verstand zudem Französisch.