Einmal ziellos um den Berg herum, Mai 2017

Von Thomas Watzlawek (4. Semester, PS)

 

In diesem Halbjahr kamen wieder einmal Gaststudenten zu Besuch. Einer von ihnen ist Billy Remmington, den ich im Nachhaltigkeitsmodul kennenlernen durfte. Nach den ersten Eindrücken, die ich von ihm gewann, wusste ich, dass ich meinen ersten Interviewpartner gefunden hatte. Ob er wohl auch im Januar mit nacktem Oberkörper und einem Bier in der Hand im Stadion ist und sein Fussballteam lautstark anfeuert?

 

Hallo Billy. Danke, dass du dich bereit erklärst, uns einen Einblick in deine Welt zu geben.

Kein Problem.

 

Erzähle uns doch einfach etwas über dich.

Geboren bin ich 1996 in den Midlands, genauer gesagt in Nottinghamshire. Ich bin an der Universität in York immatrikuliert, in God's Own Country. Ich liebe es, Geschichten zu schreiben und mag auch sehr gern Dichtung. Mein Traum ist es, später einmal entweder Journalist oder professioneller Autor zu sein.

 

God's Own Country?

Ja, so nennen die Leute dort ihre Heimat.

 

Warum hast du denn genau dieses Studium und die Schweiz ausgewählt?

Mein Vater war früher bereits ein Jahr in der Schweiz, allerdings in Lausanne, dem französisch sprechenden Teil. Er arbeitete auf einem Bauernhof und schwärmte mir immer von dieser Zeit vor. Studieren wollte ich ursprünglich Englische Literatur, aber es hat sich anders ergeben.

 

Du bist seit Februar an der Pädagogischen Hochschule Schwyz in Goldau. Wie lange bleibst du denn noch?

Am 1. Juni muss ich schon wieder zurück. Ich kam am 17. Februar an und kann mich nur wundern, wohin die Zeit entschwunden ist.

 

Wo wohnst du und welche Art der Unterkunft hast du gewählt?

Ich wohne in Schwyz, Ried-Haggenegg. Ich bewohne zusammen mit zwei anderen Studenten ein Appartement.

 

Wie sieht denn dein Wochenplan aus?

An zwei Tagen in der Woche bin ich an der Pädagogischen Hochschule Schwyz anzutreffen, und einen Tag verbringe ich in der sechsten Klasse im Schulhaus Lücken in Schwyz. Den Rest habe ich mehr oder weniger zur freien Verfügung.

 

Wie läuft es mit Deutsch? Ist es sehr schwierig zu verstehen?

Der Anfang war wirklich recht schwierig. Teilweise verstehe ich die Leute immer noch nicht. Ich kenne nur das Hochdeutsche von den englischen Schulen, und das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Seitdem ich aber in der Primarschule bin, ist es schon viel besser geworden.

 

Wie hast du dir denn deinen Aufenthalt vorgestellt?

Wurden deine Erwartungen bestätigt?

Ehrlich gesagt hatte ich kaum Erwartungen. Okay, ich habe schon erwartet, Berge zu sehen. Auch mein Vater konnte nicht wirklich viel dazu sagen, weil er ja woanders gelebt hat. Ach ja: Ich wusste zumindest, dass die Schweiz ein weit entwickeltes Land ist.

 

Was vermisst du in der Schweiz am meisten?

Da gibt es schon ein paar Dinge. Ich spiele leidenschaftlich gern Cricket, was hier leider nicht möglich ist. Mir fehlen gutes englisches Ale und günstige Getränke am Abend. Sogar die Sachen der eher schlechten englischen Küche, an die ich gewohnt bin, vermisse ich ein wenig.

 

Welche Dinge sind denn sehr seltsam für dich und warum?

Nicht falsch verstehen, aber mir ist es fast ein wenig zu zivilisiert hier. Ich vermisse ein wenig den englischen Leichtsinn. In der Nacht ist es ausserdem viel, viel ruhiger als bei uns daheim. Jeder will auch immer Hände schütteln – am Anfang fand ich das recht lustig, mittlerweile denke ich, dass dies einfach nur grossartig ist. Was es bei uns ebenfalls nicht gibt ist, dass alle Leute die Schuhe ausziehen, wenn sie eine Wohnung betreten. In England kann der Boden einer Wohnung nach einem Besuch schon recht übel aussehen.

 

Was hast du denn bereits alles gesehen?

Ich war schon in Luzern, Schlittenfahren, im Mythen-Gebiet beim Skifahren und Gleitschirmfliegen. In zwei Tagen geht es ins Tessin und nach Italien.

 

Wo trifft man dich abends?

(lacht) Ich wandere ziellos am Fusse der Berge umher. Nein, im Ernst: Es ist alles recht teuer hier und mein Geld schon beinahe aufgebraucht.

 

Als Engländer muss man dich natürlich fragen, ob du Fan eines Fussballvereins bist.

Klar, Leeds United. Und bevor du fragst, warum: Weil es der beste Club der Welt ist.

 

Wer gewinnt die Champions League in diesem Jahr, und wie wird England bei der nächsten WM abschneiden?

Juventus Turin wird gewinnen. Deren Abwehr ist einfach fantastisch. Bei der

Weltmeisterschaft kommt England wohl unter die letzten sechzehn Mannschaften,

danach ist wie immer Endstation.

 

Da ich dich bestochen habe, um dieses Interview zu bekommen: Wann gehen wir ein Bier trinken? Ich sage dir gleich, entweder Guinness oder Weizen. Und bitte kein Popgesülze im Hintergrund.

Das machen wir sofort. Und mit deinen Wünschen bin ich voll und ganz einverstanden.

 

Vielen Dank für das Interview, Billy. Lass uns dann ein paar genehmigen und über das orangene Gesicht von Donald Trump philosophieren.

(lacht) Dann wird es ein sehr langer Abend.