Aller Anfang ist schwer!

von Linda Schreier (2. Semester)

 

Es ist wahrscheinlich nie einfach, an einer neuen Schule zu starten, da bildet auch der Übergang vom Gymnasium, dem Vorbereitungskurs oder anderen Zugängen zur Pädagogischen Hochschule keine Ausnahme. Sobald man sich in den Räumlichkeiten grob zurechtfindet und nicht mehr jedes Mal beinahe von den Türen zu den Toiletten erschlagen wird, weil man nicht weiss, in welche Richtung sie aufgehen und man direkt davor wartet, kommen hunderte andere Probleme auf Neustudierende zu. Die Fragen, wie nochmals diese ganzen Module heissen und was jetzt genau der Unterschied zwischen Seminar und Proseminar sein soll, zum Beispiel. Dann sollte man immer noch wissen, wie jetzt der Dozent schon wieder heisst, bei dem man gerade Unterricht hat und ob es jemand ist, mit dem man per Du oder per Sie ist. Ziemlich verwirrend finde ich auch,dass man in den verschiedenen Modulen nicht immer dieselbe Gruppennummer hat und so einmal Gruppe 102 ist, dann 103 und in einem dritten vielleicht 105.Wenigstens ist man immer etwa mit denselben Leuten in der Klasse, so dass man sich beim Ablegen von Dateien in die Dateiablage ein wenig an den Namenorientieren kann und es merkt, wenn man im falschen Ordner ist. Wo wir gerade beim Ablegen von Dateien sind: Zumindest in diesem Semester gibt es für alle Studierenden ein kleines Durcheinander, da jeder Dozent seine Unterlagen an einem anderen Ort ablegt (wobei es in den meisten Fällen zum Glück docheducanet2 ist). Kaum hat man dann herausgefunden, wo die Dokumente zu finden sind, muss man schauen, dass man auch sicher das richtige erwischt, da viele Skripte, Folien oder Texte mit Kürzeln beschriftet sind und es schnell vorkommt, dass man etwas zweimal herunterlädt und anderes vergisst. Fast noch schlimmer wird es, wenn man ein bestimmtes Dokument sucht und keine Ahnung hat, in welchem Ordner der Dateiablage es sein könnte und am Ende einfach drei, vier Downloads hat, die in Frage kommen. Überraschend kann auch sein, wie wenig Präsenzzeit man im Vergleich zur vorherigen Schule hier an der Hochschule hat. Auch fallen manchmal Lektionen aus oder es heisst, die Aufträge müssen in selbst gesteuertem Lernen (SGL) bearbeitet werden. Anfangs kann es recht schwierig sein, den Überblick über alle Aufträge zu behalten, besonders wenn man einmal vergisst, einen zu notieren. Irgendwie scheint es, dass die Pädagogische Hochschule mit ihren vielen Abkürzungen und Fachbegriffen fast eine ganz eigene Sprache hat. Und dann soll man den Eltern oder dem Partner erklären, warum man schon zwei Stunden früher zuhause ist, beispielsweise weil man im ADDD-Seminar ein SGL zu den üK und dem BNE aus dem LP21 hätte und in PA ein Interview mit der PxL darüber vorbereiten soll, man sich aber entscheidet, stattdessen am LN für DEMK zu arbeiten. Als wäre das noch nicht genug, stösst man in jeder neuen Literatur auf haufenweise neue Fachbegriffe, die am Anfang sehr verwirrend sind. Erst mit der Zeit erkennt man die meisten wieder und weiss auch sofort, was sie bedeuten. Dasselbe mit den Namen: Mit der Zeit ist es kaum noch verwunderlich, wenn der Name Piaget oder Aebli auftaucht. Leider kann man die Theorie nicht immer direkt in die Praxisumsetzen und sobald man im Praktikum vor der Klasse steht, vergisst man vieles,was man bisher in den verschiedenen Modulen über Klassenführung und so weitergelernt hat, und greift am Ende zu Massnahmen, über die man schliesslich vielleicht selber überrascht ist. Dann gibt es noch die Verlaufsplanung, beider man sich fragen kann, «Wieso und wie soll ich jetzt begründen, dass ich den Kindern eine Geschichte vorlesen soll? Ja, weil die Praxislehrperson mir gesagt hat, ich solle das tun!» Hat man Pech, besteht die Praxislehrperson auch noch darauf, dass man rigide an der Planung festhält und noch so kleine Abweichungen davon begründen soll. Zum Beispiel, warum man beim Erklären des Auftrages wegliess, was für eine Zusatzaufgabe es für schnellere Schülerinnen und Schülergibt, obwohl das so in der Planung stand. Ist der Halbtag vorüber, kann man noch nicht alles abschliessen, weil man den Einsatz auch noch reflektieren muss, wie so vieles andere im Studium auch. Einer der grossen Vorteile des Praktikums ist, dass man sofort sieht, wie es ist, vor einer Klasse zu stehen und man weiss, wofür man das Ganze eigentlich lernt, nicht wie in der eigenen Schulzeit: «Sie, weshalb müssen wir das überhaupt können?» Zumindest in den meisten Fällen, denn ich bin mir fast sicher, es wird noch einiges auf uns zukommen, über dessen Relevanz für das spätere Berufsleben gestritten werden kann. Trotz all dieser anfänglichen Schwierigkeiten bin ich mir sicher, dass jedem das Studium mit der Zeit leichter fallen wird. Viele Studierende werden es erleben, dass ihnen das neue Semester, abgesehen von mehr Arbeitsaufwand, leichter fällt. Denn wie jeder weiss: Übung macht den Meister.