Das Phänomen der Unmute-Hemmungen - Jana Schmucki

 

Kennt ihr das? Ihr habt vielleicht etwas Schlaues beizutragen und redet aus Versehen gleichzeitig über einen anderen Studi hinweg. Ein betroffenes Schweigen, und beide fangen wieder gleichzeitig an zu reden. Infinitum repetit - also nicht wirklich, aber so kann es sich manchmal anfühlen.

 

Am Anfang machte dieses komische Mikrofonsymbol generell Probleme. Entweder hatte man es aus Versehen eingeschaltet, während man sich bei der Katze über die schlechte Internetverbindung beklagt oder dann eben auch umgekehrt. Aber irgendwann kamen die Monate anher und das verflixte Mikrofonsymbol war immer noch da. Man fällt sich immer noch gegenseitig ins Wort oder studiert die kleinen Profilbilder auf dem Schirm, während eine gestellte Frage mit gähnender Leere beantwortet wird. Man könnte vielleicht etwas beisteuern, aber sollte man das auch tun? 

 

Und da hat man es: die Unmute-Hemmungen. Natürlich ist es nicht ganz so einfach, und irgendwann wird vielleicht ein erfahrener und gescheiterer Forscher eine tolle Dissertation darüber schreiben. Aber was machen wir jetzt in der Zwischenzeit?

 

Objektiv wissen wir natürlich alle, dass es nicht der Untergang der Welt ist, wenn man einmal zu oft übereinander redet. Doch man lernt als Menschlein schnell, dass strikte Objektivität sich mit dem Alltag nicht immer perfekt vereinbaren lässt. 

 

Nur sieht die Tatsache trotzdem so aus, dass für Einige gewisse Hemmungen entstanden sind. Man hätte vielleicht sogar ab und zu etwas Gutes beizutragen, aber man kann nicht wirklich erkennen, ob jemand anderes im Call auch seinen Beitrag beisteuern möchte. Generell gesehen ist das ja gar kein Problem: man steuert bei, was man kann, und wenn man jemandem ins Wort fällt, bestimmt man denjenigen, der weiterspricht und geht dann der Reihe nach weiter. So schwierig ist es ja auch nicht. Oder?