Primi Inter Pares, Mai 2016

von Thomas Watzlawek (2.Semester PS)

 

Im Zuge des Moduls MURZ kamen zahlreiche StudentInnen in den Genuss, am 19.05.2016 an der Jubiläumsfeier des 25-jährigen Bestehens des Wegs der Schweiz teilnehmen zu dürfen. Aus nahezu allen Kantonen der Schweiz kamen Primarschulklassen, um dieses Ereignis zu würdigen und nebenbei einen freien Schultag zu erhaschen.

Wir Studenten sollten uns in kleinen Gruppen um jede dieser Klassen kümmern. Parallel dazu waren im Hotel Waldstätterhof Ehrengäste geladen, die mit uns auf das Rütli kommen sollten. Unter ihnen befanden sich Bundesrat Alain Berset, der Schwyzer Landamman Andreas Barraud und der Urner Ständerat Josef Dittli.

 

Das Tagesprogramm war vorgegeben. Um 10.15 Uhr trafen wir uns in Brunnen unter der Leitung von Frau Nydegger und Frau Arnold. Wir erhielten Verpflegungsgutscheine (eine Bratwurst, ein Glacé und ein Getränk) und ein Memory-Spiel über die Kantone der Schweiz für die Kinder. Gegen 10.45 Uhr, bei bereits einsetzendem Regen, machten wir uns auf den Weg zur Ablegestelle, wo die „Stadt Luzern“ bereits auf uns wartete, um uns auf das Rütli überzusetzen. Es gestaltete sich recht schwierig, die richtige Klasse und danach Sitzgelegenheiten für alle zu finden, da ein Teil des Schiffes für die Ehrengäste reserviert war. Auf diese musste zusätzlich gewartet werden, bis das Schiff endlich losfahren konnte. Den etwa 500 Kindern schien das Warten und das schlechte Wetter nichts auszumachen, sie waren mit sich selbst beschäftigt und ihre Lehrpersonen liessen sie gewähren.

 

Als wir schliesslich angelegt hatten und hoch zum Rütli liefen, hatte Petrus noch kurzzeitig Erbarmen: Es regnete nicht immer stark und durchgehend. Das sollte sich jedoch ändern, als wir oben ankamen: Schirme wurden flächendeckend ausgepackt und die Regenkleidung angezogen. Leider hatte die Organisation es versäumt, sowohl Sitzgelegenheiten als auch eine Art von Regenschutz aufzustellen. Ausserdem gab es nicht genügend Regenumhänge für die Kinder. Die Folge war, dass die Kinder im strömenden Regen standen, während die Festredner auf der kleinen, aber trockenen Bühne über die Entstehung und die Vorzüge des Wegs der Schweiz sprachen. Zumindest kam bei einigen der Erwachsenen Freude auf, als Alain Berset einen Wechsel der Schweizer Drogenpolitik ankündigte.* Der Satz „Wir stehen alle auf Gras“ kann durchaus als eine Hinwendung zu einer toleranten und liberaleren Drogenpolitik verstanden werden. Sogar unseren zwei Dozentinnen zauberte diese Perle der politischen Weitsicht ein ums andere Mal ein Lächeln ins Gesicht und ist gegenwärtig ein Dauerbrenner an der PH. Als positiv und bodenständig wurde die Kernaussage wahrgenommen, dass Schweizer sinngemäss nicht auf ein Nationaldenkmal emporblicken, sondern mit beiden Beinen auf dem Rütli stehen und eben diese Tatsache das Selbstverständnis der Schweiz ausmache. Zu guter Letzt durften vier Kinder noch Grussbotschaften in den vier Landessprachen an alle Anwesenden aussenden.

 

Nach den Reden gingen Kinder, Lehrpersonen, die Studenten der PH, die Ordner und die Ehrengäste geschlossen ins Restaurant, um im Warmen und Trockenen eine Mahlzeit zu sich zu nehmen.

 

Uuups, falsch. Da hätte ich beinahe etwas durcheinander gebracht, ich Dummerchen. Während die Ehrengäste den Weg zum Restaurant fanden, war es den Kindern gestattet, an den zwei Ausgabepunkten eine halbe Stunde im Regen anzustehen, um mit ihren Gutscheinen ihre Bratwürste, ihr Glacé und ihr Getränk zu erhalten. Somit waren dann alle glücklich und zufrieden.

 

Im Anschluss gingen wir alle zurück zum Schiff und fuhren den Urnersee entlang. Die Studenten hatten

Gelegenheit, mit den Kindern ihrer Klasse zu spielen und der Kapitän den Kindern das Echo des Teufelsmünsters vorzuführen. Die Schulklassen hatten ihre helle Freude daran. Danach fuhr das Schiff noch ein wenig planlos in der Gegend herum, bis es die bis dahin noch speisenden Ehrengäste aufnehmen durfte. Kurz darauf waren wir alle wieder in Brunnen und gegen 16 Uhr endete ein interessanter und abwechslungsreicher, leider etwas verregneter Tag auf dem Rütli.

 

Nun ist es an der Zeit ein Fazit zu ziehen.

 

Der Anlass war wirklich zu feiern: Der Weg der Schweiz ist beinahe jedem Schweizer ein Begriff. Das ist nicht nur ein pittoresker Wanderweg rund um den Urnersee, sondern da steckt auch die Leitidee „Zusammenhalt in der Vielfalt“ dahinter. Der Ausflug war jedoch zum Leidwesen der Kinder nicht besonders gut organisiert. Man gab sich Mühe, aber die praktische Umsetzung der Idee verkümmerte etwas. Dies bemängelten auch Frau Arnold und Frau Nydegger, die im Vorfeld keinen Einfluss darauf nehmen konnten. Schade war ferner, dass die Klassen den teilweise weiten Weg nur deshalb auf sich nahmen, um die Festreden zu hören und mit dem Schiff über den Urnersee zu fahren. Ein Rahmenprogramm oder Spielmöglichkeiten auf dem Rütli gab es leider nicht.

 

Entgegen der Ansicht Herrn Steineggers, der im „Bote der Urschweiz“ schrieb, dass die 500 Schulkinder dafür sorgten, dass es den „Gästen“ (gemeint: den Ehrengästen) nicht langweilig wurde, sind wir Studenten der PH der Meinung, dass die Kinder keineswegs nur Beiwerk für eben jene Gäste sein dürfen. Aber anscheinend gilt in diesem Punkt für die Schweiz auch, was für andere Länder gilt: Einige sind gleicher als andere.

 

Trotz dieser Kritikpunkte war es ein schöner und erlebnisreicher Tag, der nie langweilig wurde. Dazu kam noch die Gesellschaft vieler sehr aufgeweckter Kinder - und das entschädigt doch für manch kleines Stirnrunzeln.

 

*Vorsicht: Spassmodus