Von Laufhunden und Diktaturen, Mai 2016

von Thomas Watzlawek (2. Semester FS)

 

Frau Uhlemann, wenn man nach Informationen über Ihre Person im Internet sucht, findet man ausser Ihrem Lebenslauf nichts. Geben Sie unseren Lesern doch ein paar Einblicke in Ihr Leben. Fangen wir doch am besten einmal mit dem Geburtsdatum an. Falls Sie es vorziehen, dieses Detail zu verschweigen, beginne ich einfach so: „Die 25-jährige Frau Uhlemann kam …“

 

(lacht)- Wenn Sie das schreiben, dann wird jeder in der PH darüber lachen. Aber das stimmt. Ich versuche möglichst wenig über mich im Internet preiszugeben. Ich wurde am 08.04.1965 in Jena, in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, geboren. Ich bin diktaturgeschädigt – und das können Sie auch genau so schreiben.

 

Diktaturgeschädigt?

 

Ja, richtig. Mir wurde schnell klar, dass ich nicht in diesem Land bleiben wollte. Mit 19 reichte ich meinen Ausreiseantrag ein und damit war von den ohnehin wenigen Freiheitsgraden in der DDR praktisch gar nichts mehr für mich übrig.

 

Wie meinen Sie das?

 

Nun, ich wurde vor die Staatssicherheit zitiert. Man exmatrikulierte mich für das Medizinstudium und jede Art der Ausbildung wurde mir zukünftig verweigert. Gleichzeitig wusste ich, dass man mich observierte und meine Familie mit hineinzog. Man versuchte zum Beispiel Einfluss auf meinen Vater zu nehmen, damit meine angeblichen Aktivitäten aufhörten. Im Prinzip lief das wie im Film Das Leben der Anderen ab.

 

Wie ging es dann weiter?

 

Mit 23 durfte ich endlich ausreisen. Ich bekam den Bescheid und hatte zwei Stunden Zeit, um mich abzumelden und mich von meiner Familie zu verabschieden. Ich dachte damals, dass ich sie nie wiedersehen könnte. Am 30.12. 1988 fand ich mich schliesslich im Auffanglager Gießen wieder. Es war bitterkalt, ich hatte nur einen Koffer ohne Geld und musste vom Bahnhof auch noch irgendwie dahin kommen. Anfangs wollte ich meinen Traum von einer Karriere als Opernsängerin nicht aufgeben,

aber nach einer Weile wurde mir klar, dass mein Talent dafür nicht ganz ausreichte. Parallel dazu studierte ich bis 1991 Anglistik und Romanistik, nur um dann aufzuhören und Erziehungswissenschaften in Hannover und Berlin zu studieren.

 

Was bewog Sie in die Schweiz zu ziehen? Nur die gesunde Luft und eine „neue

Sprache“ kennenlernen können nicht die einzigen Gründe gewesen sein…

 

(lacht)- Genau. Ich wurde 2000 Leiterin von Schule und Frühberatungsstelle sowie Therapeutin bei der

Stiftung für hörgeschädigte Kinder Meggen und Uster. Die Arbeit war der ausschlaggebende Grund für meinen Umzug in die Schweiz, auch wenn ich immer schon ins Ausland wollte. Vor allem Frankreich reizte mich sehr; nicht umsonst besitze ich ein Bauernhaus dort, das ich in meiner Freizeit gerade umbaue.

 

Was genau machen Sie jetzt an der PH und warum hören Sie damit auf?

 

Im Augenblick bin ich noch zu 70% für die Ausbildung zuständig. Der Rest besteht aus einem kleinen Modul

Sonderpädagogik. Zukünftig werde ich meine Arbeit als Ausbildungsleiterin beenden und das International Office übernehmen. Ich werde nur noch zwei Tage in der Woche anwesend sein, hinzu kommt noch ein Tag Home-Office. Ich möchte mehr für meine persönliche Bildung in anderen Bereichen tun, und dafür brauche

ich mehr Zeit. Ich bin bereits in der Sterbebegleitung aktiv und ich würde den ehrenamtlichen Anteil gern ausbauen. Privat werden wir von Luzern nach Basel ziehen.

 

Warum das?

 

Ich vermisse kulturelle Anlässe, wie Kino, Theater oder Ausstellungen. Gegen Jazzkneipen hätte ich auch

nichts einzuwenden. Luzern ist zwar kaum zu übertreffen in seinem Liebreiz, auf Dauer aber doch etwas eintönig.

 

Werden Sie im neuen Zuständigkeitsbereich andere Schwerpunkte/Reize setzen?

 

In unsere Strategie wurden bereits Mobilitätsaktivitäten eingebunden. In diesem Zusammenhang werden wir vermehrt versuchen, neue Kooperationen in bisher noch zu wenig berücksichtigten Gegenden und Kulturkreisen einzugehen. Diese könnten, wenn die noch abzuhaltenden Verhandlungen positiv verlaufen, etwa in Asien oder Afrika entstehen. Im Mittelpunkt muss in diesen unruhigen Zeiten aber neben des zu erwartenden Vorteils für die PHSZ stets die Sicherheit stehen.

 

Wohin geht es in den nächsten Ferien?

 

Wir werden an die Mecklenburgische Seenplatte fahren und 5 Tage zu Fuss von Fürstenberg nach

Graal-Müritz marschieren. Ich werde also mit zwei Luzerner Laufhunden unterwegs sein.

 

Wie meinen Sie das?

 

(lacht)- Mein Lebensgefährte ist gebürtiger Luzerner und wir haben einen Luzerner Laufhund.

 

Eine Fee erscheint Ihnen und sagt: Annett, du hast drei Wünsche frei, allerdings musst Du vorher während eines offiziellen Anlasses einen Abend lang mit Christoph Blocher Salsa tanzen.

Gehen Sie auf das Angebot ein?

 

Meine Güte. (Pause, überlegt)- Ich will doch gar keine drei Wünsche. Christoph Blocher? Salsa? Vielleicht

wenn die Verlockung gross genug ist…

 

Frau Uhlemann, vielen Dank

für das Gespräch.