Norwich 2016 - wir waren dabei, August 2016

von Thomas Watzlawek (3. Semester PS)

 

Am 11.06.2016 war es soweit: Der Wagen war vollgestopft mit Gepäck, schliesslich benötigt der modebewusste junge Mann von heute so einiges an Klamotten, Toilettenartikeln und anderem sinnentleerten Krimskrams. Windeln und Bier liess ich ebenso wie die anderen teilnehmenden Kandidaten daheim - wir hatten den leisen Verdacht, dass es beide Produkte wohldosiert und abholbereit auch auf der Insel geben müsste. Und dann fuhr ich los.

(Ich entschied mich gegen eine Flugreise, weil ich danach noch ein paar Wochen

in Schottland verbringen wollte. Im Nachhinein war das eine recht weise Entscheidung, weil ich nicht auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen war.)

18 Stunden später erreichte ich Norwich, lernte meine host mother kennen und über die nächsten 5 Wochen sehr schätzen. Auch mein Zimmer war wirklich klasse, zu meckern gab es da schon einmal nichts.

Am Montag standen wir nun alle morgens vor dem Eingang von NILE (Norwich Institute for Language Education) und harrten der Dinge, die dort auf uns lauern mochten. Jeder hatte

obligatorisch einen dreiwöchigen Kurs zu belegen, der die Theorie und Praxis eines temporären Jobs als assistant teacher einer Primarschule abdecken sollte. 7 Tage wurden wir bei NILE geschult, 8 Tage verbrachten wir praxisorientiert an zwei Primarschulen in

Norwich. Die sieben Tage Theorie beinhalteten meistens Grammatik, Redewendungen,

ein paar drama lessons und andere mehr oder weniger nützliche Dinge, eine wirkliche Vorbereitung für die Schulen fand aber lediglich am letzten Tag statt.

 

Ausser der Erkenntnis, kein Primarschullehrer in Norwich werden zu wollen, brachte mir persönlich das Assistenzpraktikum kaum einen Wissensgewinn. Eigeninitiative war nicht gewollt, gelegentliches Herumschlendern, um sich die vom langen Sitzen eingeschlafenen Beine zu vertreten, jedoch erlaubt. Der Umgang mit den Lehrern war jedoch meist sehr höflich und respektvoll. Andere von uns hatten es da aber etwas schwerer: Fragen nach mehr Initiative wurden abgeblockt, ja sogar der Zugang zum Lehrerzimmer verwehrt. In der zweiten Woche gab es Verbesserungen, was die zahlreichen Kritikpunkte betraf; aber

Verbesserungen bedeuten leider nicht automatisch eine Beseitigung der Missstände.

 

Für alle „Uneingeweihten“ versuche ich kurz eine möglichst genaue Skizzierung einer typischen Klasse zu entwerfen. In jeder Klasse gibt es eine Primarschullehrperson und mindestens einen assistant teacher. Gibt es einmal Probleme mit den Kindern, werden die assistant

teachers darauf angesetzt, die ebenso für die Förderung leistungsschwächerer Kinder verantwortlich sind. Dies führt leider dazu, dass die eigentlichen Lehrpersonen vermehrt für die Mehrheit und nicht für alle unterrichten. Der Unterricht unterscheidet sich in vielen Bereichen von dem eines im Kanton Schwyz durchgeführten. Oftmals werden Film- oder Gesangssequenzen vom Internet eingespielt, etwa zum Üben des Einmaleins. Die Kinder singen bei Gelegenheit mit, lernen dabei Melodie und Inhalt des Liedes und prägen sich damit auch Bereiche des Einmaleins ein. Manches im Unterricht war wirklich gut, manches

weniger. Oftmals vermisste man den roten Faden, der die didaktischen und methodischen Elemente durchziehen sollte. Das Ganze schien mir recht willkürlich abzulaufen, und der Grad der Willkür hing vom jeweiligen Lehrer ab. Erschwert wurde der Unterricht durch die Klassengrösse, die durchaus 33 Kinder umfassen konnte und einen ziemlich lauten Geräuschpegel produzierte, den die Lehrer jedoch erfolgreich ignorierten.

 

Nicht verschweigen darf man ebenfalls die positiven Erlebnisse, die Studierende an anderen Schulen gemacht haben. Viele berichteten mir von lehrreichen, problemfreien Zeiten, die sie dort verbringen durften.

 

Abschliessend kann man Folgendes festhalten: Die Lehrer schwankten in ihren Leistungen und Sympathiewerten, die Kinder schwankten ebenfalls in ihren Leistungen, waren dafür aber konstant liebenswert und einnehmend.

 

Nach diesen drei Wochen mussten einige von uns noch einen Sprachkurs bei NILE belegen, der entweder 2 oder 4 Wochen dauerte. Im Grunde ging es dabei um das Verbessern der Fremdsprache, Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht und einer Vorbereitung auf die C1-Prüfung, die wir noch vor uns hatten bzw. haben. Viele hatten bereits einen solchen Sprachkurs abgelegt und durften nach drei Wochen heim.

 

Ich empfand den Aufenthalt insgesamt als recht gewinnbringend. Nicht so sehr der Schulen, aber vielmehr der Studierenden der PH Schwyz wegen. Mit vielen hatte ich vorher noch kein Wort gewechselt, geschweige denn mich mit ihnen übers Wetter unterhalten. Dies änderte sich

gravierend, und es entstanden neue Freundschaften.

 

Natürlich gibt es auch Studierende, die diesen Wochen nichts Positives abgewinnen konnten. Aber wer bewusst Kontakt und Zeit mit anderen vermeidet und dafür immer sein Domizil als alleiniges Refugium auserwählt, der ist in gewissem Mass auch selber schuld daran. Warum um Himmels willen sollen wir jungen Studierenden uns bereits wie Menschen im Pensionsalter

verhalten?